Gottfried Hermeyer
Er ist der Gründungsvater des Liesborner Rosenmontagsumzuges. Hier die Geschichte wie es dazu kam.
Der Auslöser für die Idee des ersten Rosenmontagsumzuges war die Büttenrede von Gottfried Hermeyer im Jahr 1973 auf der Karnevalsveranstaltung des „Männergesangvereins Frohsinn“ bei Winkelhorst im Saal. Gottfried Hermeyer wurde durch Franz Lackmann anmoderiert und zog als unglücklicher Ehemann mit dem Hund „Wum“ auf die Bühne. Dieser war auf einem Bollerwagen platziert und dreht sich bei Applaus um seine eigene Achse. Das Publikum wurde gleichzeitig durch Gottfried Hermeyer animiert, neben dem Applaus auch dem Heulen des Hundes „Wum“ nachzueifern.
Nach der Büttenrede haben wir noch eine kleine Galerie mit Bildern der ersten Stunde zusammengestelt.
Aber hier nun der Auszuge aus der Büttenrede von Gottfried Hermeyer in Begleitung des Wum
Der unglückliche Ehemann
Zuhause, da hab ich bald gar nichts zu sagen, da tun se mich ärgern, da tun se mich schlagen.
Meine eigene Familie, das ist mein Ruin,
die haben kein Respekt mehr, wo soll das nur hin.
Da hab ich aus Kummer mal einen gehoben, kaum bin ich zuhause, beginnt dann das Toben.
Die wissen ja nicht was für eine Arbeit drauf geht, bis einem das Bier bis zum Hals heraus steht.
Aus lauter Kummer tu ich doch nur saufen, und nach dem Saufen kann ich dann nicht laufen.
Ein bißchen mehr Freundlichkeit mal dann und mal wann, was bin ich doch für ein unglücklicher Ehemann.
Nichts mach ich richtig, ich wäre für nichts zu gebrauchen, ich darf nirgendwo hin, und ich darf auch nicht rauchen.
Bei uns zuhaus, das ist ein Theater,
aber ich wurde dann, man glaubt es kaum, ein richtiger Vater.
Meine Frau sagt, das hätt sie im Traum nicht gedacht, jetzt hätt ich mal endlich was richtig gemacht.
Ich machte ja sonst grundsätzlich nur halbe Sachen
alles müßte sie fast selber machen.
Naja, ich wurde dann Vater, sie schickte nen Gruß, und schrieb das wär nun wirklich mal ne Arbeit gewesen mit Hand und Fuß.
Ein bildhübsches Fräulein, sah ich kürzlich mal gehn,
Das machte mich munter, ihr könnt mich verstehn.
Meine Frau die wurd zornig, und fing an zu meckern,
ich hätte nicht mit dem Fräulein zu scheckern.
Da sagte mein Sohn: „Mama lass doch das Schmollen“.
Was soll denn der Alte von dem Fräulein schon wollen?
Mama bleib ruhig und halte den Mund.
Unsern Papa den geht es wie dem Thoelke sein Hund
Da sagt meine Frau: „Kind was soll das denn heißen?“
Da sagt er: „Unser Papa der bellt noch, aber er kann nicht mehr beißen“
In Urlaub fahren, das wollt ich dann auch,
das ist ja heut schon so´n richtiger Brauch,
Ich kam dann dort an, und bekam richtig Hunger.
Der Ober kam auch schon, das war dann mein Kummer,
Er fragte, was war mir das eine Qual
„Was wollen Sie essen“ ich sagte „Egal“ Salat auf Salat türmte der Kellner empor Ich kam mir schon fast wie so´n Ziegenbock vor.
Abend dann saß ich in der Bar dann mal drin
Da schmiss sich an mir so eine Italienerin
Die mopste mir ab meine ganzen Peseten
Ich sage euch mein ganzes Vermögen ging flöten
Fräulein wie wär es mit uns beiden habe ich dann gelallt
Fing sie an zu lachen und sagte: „Papamia du bist mir zu alt“
Das Pulver war alle, sie schmissen mich raus, nach zwei Tagen war ich schon wieder zu Haus.
Ein bißchen mehr Freundlichkeit mal dann und mal wann, was bin ich doch für ein armer Ehemann
Aus dem Urlaub im Sommer, da kam ich dann Heim,
ich brachte noch mit so ein paar Flaschen Wein.
Ich fragte was hat sich in Liesborn denn hier so alles getan,
war es hier auch so schrecklich warm.
„Ja“ sagte mein Sohn „Papa welche Pein“, ein Unwetter brach über Liesborn herein.
Die Sirene heulte, es gab Alarm, was haben die Feuerwehrmänner nicht alles getan.
Der Hauptmann kommandierte: „Kammeraden … tak…tak,
pumpt aus Liesborns Keller sie sind alle voll Kak“.
Was nutzen Kanäle, ich kanns nicht wissen…weiße,
wenn in die Keller fließt die ganze Scheiße.
Ein bißchen mehr Freundlichkeit mal dann und mal wann,
was bin ich doch für ein unglücklicher Ehemann.
Meine Frau die häkelt nicht mehr, die hat keine Wolle
Leute hört her, jetzt liest Sie den Kolle.
Oswald Kolle wird studiert ohne Pause,
ich trau mich schon gar nicht mehr nach Hause.
Oswald Kolle hab mit mir doch erbarmen,
wenn es auch heißt : Liebe- Brot der Armen
Kuk mal das ist doch so, wenn ich bisher nicht erfüllt meine Pflicht,
dann schaff ich es doch auch mit den Kolle wohl nicht.
Als Maler verdiene ich für meine Familie das Geld, ich male den Leuten was ihnen gefällt.
Hangebrocks Willi der baute im Keller einen Partyraum,
an eine Wand da sollte ein Gemälde, so schön wie ein Traum.
Er kam überein dann, mit seinem Sohne
An die Wand da sollte sonne Meerjungfrau, so ganz oben ohne
Ich kam mit Palette und Farbenkannen,
und wollt an die Wand sonne Nixe dran bannen.
Der Willi der sagte, Gottfried jetzt mal mal ganz schnell,
Ich sagte so geht’s nicht, ich brauch ein Modell.
Da rannte der Willi durch Liesborn und Osthusen,
und brachte ne Frau mit nen herrlichen Busen.
Ich nahm die Palette, das Modell es war da,
der Willi der knüpfte schon los den B H.
Da ging die Tür auf, Frau Anni, Oje,
Was konnte die schennen, herje und mi ne.
Ich nahm die Palette, schnell Pinsel und Pott,
und rannte nach draußen, das ging auch ganz flott.
Frau Anni, die rannte noch hinterdrein,
und schmiss in die Hacken den Quast mir hinein.
Der Willi, der ist nun traurig, weil alle sich nun gegen ihn wendeten,
jetzt nennt er seinen Keller: Den Unvollendeten.
So hab ich als Maler auch nichts wie nur Sorgen,
mit grauen denk ich schon an morgen.
Ein bißchen mehr Freundlichkeit mal dann und mal wann, was bin ich doch für ein unglücklicher Ehemann
So bleibt mir das Unglück jetzt schon jahrelang treu,
doch ich mich immer auf die Fassnacht freu´.
10 Jahre Fastnacht und 10 Jahre Kultur,
was habt ihr für ein Glück hier in Liesborn doch nur.
Und ist dieses Fest für Euch dann vorbei,
seit doch nicht traurig, es folgt doch der Tanz in den Mai.
In alter Frische sehen wir uns dann wieder
und singen zusammen dann schöne Lieder.
Ich muss jetzt verschwinden ihr macht nun Radau,
und ruft mit mir dreimal das Wörtchen Helau.
Auf der anschließenden Karnevalsfeier wurde Gottfried Hermeyer von Gästen gefragt, was er denn mit dem Wum machen würde. Hierauf gab er die Anwort:
„Mit dem Wum da zieh ich Rosenmontag mit durch Liesborn! Wer macht denn alles mit?“
Gesagt – Getan















